Geschichten aus einem Wassertropfen – Galerie Decumanus, Krk 2001.

Galerie Decumanus, Krk 2001.

Aquarellmaler wissen wohl am besten wie viele Wunder und Farben in einem Wassertropfen verborgen liegen. Unfassbar und ungewöhnlich, beherrscht durch den Pinsel, schafft er in den Bildern der Malerin Dagmar Franolić eine luftige und frische Welt, die von Farben und Licht gewoben ist.

Der Anblick der Städte die unter der Sonne oder im nebelhaften Wintermorgen liegen, trägt den Geruch des Salzes und den Meereswind in sich, der uns erobert und in den Weiten und Landschaften der Insel hineinführt. Leicht und unaufdringlich sind die ungewöhnlichen Ansichten, die alten Kirchlein, die Brunnen und Treppen, die uns in die Tiefe führen. Charakteristisch, mit dem erkennbaren Geist der mediterranen Städte. Die Aquarelle sind reich gewoben mit den hellsten bis zu den dunkelsten Nuancen, die sich untereinander ergänzen. Die Komposition ist ruhig und teilweise mit zeichnerischen Elementen unterstützt.
Ihre einmaligen und ausgewogenen Bilder tragen die Symbolik der traditionsreichen Erde, durch die sie inspiriert sind, in sich; mit der Glagoljiza als authentisches Zeichen dieser Gegend, die sich als kräftiges aber unaustauschbares bildnerisches Mittel in die Oberfläche der Bilder einfügt und sie bereichert, indem sie Erinnerungen an Geschichte und Spuren der Zeit hervorhebt.

Die Eigenartigkeit der Komposition offenbart sich im mild beleuchtetem Ambiente, das strahlend aus hoher See auftaucht, und sich gleichsam unwirklich mit einem Hauch von Metaphysik und Glaubenskraft aufdrängt, mit der die kleinen Kirchlein, Zypressen und der Fisch, als altchristliches Motiv, durchwoben sind. Häufig ist der Fisch das Motiv und bildet die unmerkbare Unterlage für die Städte und Häuser, die gleich Schuppen auf ihm angeordnet ihr stilles Leben führen. Alles zusammen, das Motiv und die Unterlage, bilden ein untrennbares Ganzes.

Selten trifft man auf menschliche Figuren in ihren Bildern; und wenn, dann kaum merkbar, fast mythisch – abwesend.

Die Bilder sind gleichsam ein Selbstporträt der Künstlerin, die im Aquarell ihren eigenen bildnerischen Stil gefunden hat und sich mit den Formen und Farben der Natur, die sie umgibt identifiziert.

Jasna Vukmirović, prof., 2001.

( Titelseite des Kataloges Geschichten aus einem Wassertropfen.jpg 675 KB )