Aquarelle – Kroatische Anwaltskammer, Rijeka 2004.

In der Einfachheit des Ausdruckes, mit denen die Künstlerin Fülle und Tiefe schafft, sieht man die erkennbare Handschrift Dagmar Franolić’s Aquarelle. In den sorgfältig ausgewählten Motiven ahnt man die Stille verschlafener Städte, das Geräusch des Regens und die Sprache des Meeres. Die freie Perspektive der Häuser, Straßen, Zypressen und Treppen in ihren Bildern wirkt nicht verwirrend. Durch ein wundersames Spiel führt sie uns in eine unerwartete Bilderwelt, vertraut und warm.

Das dominante Blau und Grün mit Segmenten von Rot und warmen Orange ist ätherisch und poetisch und gibt den Bildern ihre erforderliche bildnerische Dimension; lasurenhaft und direkt, die in uns Erinnerungen wachrufen. In diesem Zyklus benützt die Künstlerin die Linie und bewirkt auf die diese Weise eine elegante, fragile Struktur.

Die Formen sind nicht durch die Strenge der Perspektive begrenzt, sondern existieren in einer facettenhaftig Zerteiltheit die mit der Wirklichkeit nach harmonischen und ausgeglichen bildnerischen Regeln spielt. Eng aneinander stehende Häuser, Bäume und Kirchtürme tauchen mit der Kraft des Wassers aus ihrer Unterlage auf. Die Fenster öffnen sich nicht für uns; sie betrachten uns vielmehr aus den Gesichtern der Häuser; feierlich und stumm.

Manchmal nimmt die Farbpalette eine definierte Form an und manchmal öffnet eine geheimnisvolle Flächigkeit die Türe zu einer anderen Natur. Der meditative Rhythmus entsteht aus der Harmonie des Geistigen und dem fühlbaren Begreifen der Form. Das Motiv und Symbol des Fisches tritt häufig auf, ist aber versteckt und unauffällig.

Die hier vorgestellte Welt Dagmar Franolić’s ist irreal, aber aus Elementen der Wirklichkeit zusammengesetzt, die in sich die Reflexionen der Landschaft, das Zusammenstoßen des Himmels und des Meeres und eine enorme Farbvielheit, die sich zwischen all dem befindet, hütet.

Jasna Vukmirović, 2004.

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