Lyrische Impressionen, Galerie Njivice, Njivice

2.08. – 29.08.2008, Galerie Njivice, Njivice

Dagmar Franolić’s Bilderwelt ist eine Welt gefühlvoller Eindrücke von traumhaften Landschaften, märchenhaften Gassen und wundersamen Bäumen, die in ihre charakteristischen Aquarellfarben eingetaucht sind. Leuchtend und klar aber auch ungewohnt satt bis hin zu nebelhaften Schleiern. Neben der Farbe existiert hier auch Dagmars spezifische Linie, die sich zur Farbe dazugesellt, nicht aber mit ihr vereint. Sie begleitet die Farbe, rückt aber auch von ihr weg und zieht sich zurück. Trotz alle dem achtet sie und schafft gemeinsam mit ihr eine erdachte Bilderwelt. Und obwohl hier alles in der Realität beginnt, steigt es schnell auf zu Fantasie, wo sich Wirklichkeit und Schein, Erfahrung und Erinnerung, Perzeption und Illusion miteinander vermischen. Es steigt auf zu Grenzbereichen von Traum und Wachsein, wo sich die Geschichte semantisch verdichtet und sich der Raum nach unbekannten und unfassbaren Kategorien und ganz anderen Gesetzen folgend erweitert.

Obwohl der Ausgangspunkt in Dagmars Malerei die Nachgestaltung der Wirklichkeit ist, erfährt sie oft während der bildnerischen Ausführung eine Metamorphose und wird zum Echo der Wirklichkeit, das sich in Farbe und Licht badet und auflöst. So wird es zum Ausgangspunkt der Veränderung der Perzeption. Die Autorin füllt einerseits unsere inne, indem sie uns Bildergeschichten über das Ambiente ihres Lebensraumes und ihrer Umgebung sendet, während sie andererseits in die Struktur ihrer Bilder eindringt und uns neue Blickwinkel bietet und neue Raumverhältnisse innerhalb eines festen linearen Rasters schafft. Wenn sie erzählt, beschreibt sie die Ausstrahlung und in ihren Bildern gibt es keine Dynamik und Bewegung, sondern eher ein melancholisches Innehalten. Daher kommt der Eindruck der Zeitlosigkeit und der metaphysischen Stimmung und träumerischen Nachdenklichkeit, die sich durch Dagmars gefühlvolle aber einsame und leere «magische Landschaften» zieht. Man muss sagen, dass ein Teil der Landschaften noch immer figurativ ist und in ihnen die romantisch-semantische Note überwiegt, aber ein Teil davon fängt an sich bildnerisch-semantisch zu verdichten. Es wird dadurch zum Symbol und Zeichen und nähert sich gleichzeitig der Abstraktion. Im ersten Fall aktiviert uns die Autorin mit der Geschichte, die sie erzählt, im zweiten mit dem Denkansatz.

Wenn sie erzählt, (und sie erzählt mit Farbe und Linie) fühlen wir fast die Hitze des schläfrigen Sommernachmittags, die geheimnisvolle wundersame blaue Nacht, den Nebel der Dämmerung, der sich durch den traumhaften Morgen über die Gärten zieht oder die warmen, überraschenden Tropfen des wohltuenden Regens über dem Meer. Wenn sie uns jedoch gedanklich durch die Symbolik des Bildes aktiviert öffnet sie ein Fenster in eine neue Welt, viel bedeutend und vielschichtig, und uns wird auf einmal bewusst, wie sich durch Raum und Zeit irgendwelche unsichtbaren Fäden ziehen, die alles verbinden.

Die Autorin fokussiert sich innerhalb des Ganzen auf eine Teil – ein besonderes Detail: der Baum, dem sie anscheinend auch weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen wird.

Der Baum ist symbolisch schon immer eine wundersame Verbindung von Erde und himmlischer Weiten. Ein Ursymbol des Lebens und lebendiges Symbol des ganzen Universums, das sich ständig erneuert. Zuletzt ein Symbol der Meditation und Erleuchtung. Deswegen ist der Baum das Motiv, das im morphologischen und symbolischen Sinne den Menschen ewige und unergründliche Inspiration bietet, von Urzeiten her bis jetzt und deswegen wundert es uns nicht, dass sich auch Dagmar gerade ihm zugewandt hat.

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass, egal ob sie eine Geschichte erzählt oder sich dem Symbol zuwendet, Dagmars Hauptausdrucksmittel, das sie als Malerin definiert ist die Aquarellfarbe. Die Autorin versteht es die Wässerigkeit, die Sätte und die Lichtmasse, die die Farbe aussendet fein zu dosieren. Deswegen und Dank gerade dieser Farbe und egal um welches Motiv es sich handelt, ist Dagmar Franolić heute professionell ausgeprägt, bekannt und erkennbar.


Višnja Slavica Gabout, 2008.