Landschaften und Aussichten

Als ich 1982 aus der Großstadt nach Krk umsiedelte, war ich nicht nur vom Meer und der Insellandschaft beeindruckt, sondern auch von der Architektur der alten kleinen Städtchen mit ihren engen Gassen. Alles hier war neu für mich. Die Fenster mit ihren Holzläden, die Steintreppen und kleinen Innenhöfe, die baufälligen Fassaden von Häusern in denen niemand mehr wohnte. Der erste Winter auf der Insel war ungewöhnlich mild aber auch voller Wind – Jugo und Bura. Das Meer hatte seine blaue Sommerfarbe eingetauscht in bleiernes Blau oder Weiß … Auch heute noch kehre ich gerne zu diesen Motiven zurück.
 


Meine erste Einzelausstellung war Ende 1989 im Verwaltungsgebäude des JANAF (Jadranski Naftovod) in Omišalj und 1990 bekam ich zum ersten Mal die Gelegenheit in der städtischen Galerie «Decumanus» in Krk auszustellen, sowie in der Galerie «TOŠ» in Punat.
 

Die autodidaktische Malerin Dagmar Franolić bevorzugt die Aquarelltechnik, was auf eine Vorliebe für Transparenz und Leichtigkeit, Einfachheit und Skizzenhaftes hinweist. Man kann auch anders mit dieser Technik umgehen, aber ihr passen genau diese Eigenschaften der Wasserfarben.
Geboren im Norden, in Deutschland, war sie sicherlich durch das mediterrane Licht, das ihr so ungewohnte Milieu und die fremdartige Landschaft inspiriert. Ihre Bilder sind jedoch zu persönlich und intim als dass äußere Eindrücke für ihre Arbeit ausschlaggebend sein könnten, auch wenn sie sich thematisch auf Landschafts- und Naturdarstellungen festgelegt hat.

Drei Hauptthemen beschäftigen sie besonders:
die Veduten und Panoramen der Stadt Krk, Landschaften und Blumen und die Flora und Fauna des Mittelmeers.
Ihre Bilder sind aber nicht nur eine bildnerische Veranschaulichung der äußeren Wirklichkeit und wollen das auch nicht sein; es sind vielmehr lyrische Impressionen zarter Farben und Formen, die uns die Künstlerin als eine empfindsame Frau und Malerin offenbaren, deren Arbeiten transparenten Illustrationen und manchmal Croquis gleichen. Die Stadtmotive erinnern an Bilder aus einer Geschichte; die Meeresfauna deutet nur auf ihren Ursprung hin; die Blumenmotive gehen in Phantasmagorien und Metamorphosen über, an denen man wieder einen Hang zum Illustrativen und Dekoration erkennen kann. Hier ist viel Licht und Fröhlichkeit, manchmal auch lyrische Melancholie und Empfindlichkeit.

Malerei dieser Art steht in Zusammenhang mit einer spezifischen Stilisierung und einer Darstellungsart, die auf traumhaften Bildern beruht; aus «verschiedenen Inhalten» die in der Realität nicht gemeinsam existieren können und erst durch das Bild vereint werden.
Gelegentlich zeigt sich ihre persönliche Note in der Nebelhaftigkeit und poetischen Lyrik ihrer Werke. Hier zeigt sich mehr eigene Vision und eher Spiegelung der Welt als der Wunsch nach einer realistischen Wiedergabe der äußeren Wirklichkeit.

Ervin Dubrović
Rijeka, 09.04.1990.

Miniaturen

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